Festpreis oder Tranchenmodell? Für Gewerbe und Industrie ist die richtige Energiebeschaffung entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit. Erfahren Sie, wann sich strukturierte Beschaffung wirklich auszahlt.
Für kleine, mittlere und große Unternehmen stellt die Beschaffung von Strom und Gas einen der bedeutendsten Kostenfaktoren dar. Angesichts der volatilen Entwicklungen an den europäischen Energiebörsen wie der EEX steht jedes Gewerbe vor der grundlegenden Frage, mit welcher Strategie die Energiekosten langfristig optimiert werden können. Historisch gesehen war der klassische Festpreisvertrag das Standardinstrument für die meisten mittelständischen Betriebe. Bei diesem Modell sichert sich der Kunde einen festen Energiepreis über eine vertraglich vereinbarte Laufzeit von oft einem, zwei oder drei Jahren. Dies garantiert eine hervorragende Kalkulationsgrundlage und schützt vor plötzlichen Preissprüngen am Markt. Allerdings hat diese Sicherheit ihren Preis: Der Energieversorger kalkuliert Risikoaufschläge ein, und das Unternehmen profitiert nicht von nachträglich sinkenden Preisen am Großhandelsmarkt. In Zeiten stark schwankender Märkte gewinnt daher die strukturierte Beschaffung, insbesondere über sogenannte Tranchenmodelle, massiv an Bedeutung für das Gewerbe.
Das Tranchenmodell bricht mit dem Prinzip des einmaligen Einkaufszeitpunkts. Anstatt die gesamte benötigte Strom- oder Gasmenge für das Folgejahr an einem einzigen Tag zu beschaffen, wird der Gesamtbedarf in mehrere Teilmengen, die sogenannten Tranchen, aufgeteilt. Diese Tranchen werden dann zu unterschiedlichen Zeitpunkten während des Beschaffungszeitraums eingekauft. Das primäre Ziel dieses Ansatzes ist die Risikostreuung, ähnlich wie man es aus der Finanzwelt beim Cost-Average-Effekt von Aktiensparplänen kennt. Kauft ein Unternehmen beispielsweise seinen Strombedarf in vier gleich großen Quartalstranchen ein, wird der finale Energiepreis durch den Durchschnitt dieser vier Einkaufszeitpunkte bestimmt. Das extreme Risiko, den historisch teuersten Tag für den gesamten Energieeinkauf zu wählen, wird dadurch mathematisch nahezu ausgeschlossen. Gleichzeitig verliert das Unternehmen jedoch auch die Chance, den absolut günstigsten Tiefpunkt des Marktes für die Gesamtmenge zu treffen, was jedoch in der Praxis ohnehin rein spekulativ wäre.
Um die optimale Entscheidung für das eigene Unternehmen zu treffen, müssen die Vor- und Nachteile beider Beschaffungsphilosophien direkt gegenübergestellt werden. Der Festpreis punktet mit absoluter Preissicherheit. Das Controlling weiß exakt, welche Kosten pro verbrauchter Kilowattstunde Strom oder Gas anfallen, was die Budgetierung enorm vereinfacht. Der Nachteil liegt im Mangel an Flexibilität und den potenziell hohen Opportunitätskosten, wenn die Marktpreise nach Vertragsunterzeichnung drastisch fallen. Das Tranchenmodell hingegen bietet eine hohe Marktnähe und die Möglichkeit, aktiv auf Preisbewegungen zu reagieren. Sinken die Preise, können gezielt weitere Tranchen gesichert werden. Steigen die Preise unerwartet, ist zumindest ein Teil des Bedarfs bereits zu günstigeren Konditionen eingeloggt. Der Nachteil des Tranchenmodells liegt in der erhöhten Komplexität: Es erfordert eine kontinuierliche Marktbeobachtung, ein strukturiertes Risikomanagement und führt zu einem variablen Endpreis, der erst nach dem Kauf der letzten Tranche final feststeht.
Die strukturierte Beschaffung ist nicht für jeden Gewerbebetrieb gleichermaßen geeignet, da Energieversorger diese komplexeren Modelle meist erst ab bestimmten Verbrauchsschwellen anbieten. Für Kleingewerbe mit einem jährlichen Stromverbrauch von unter 100.000 Kilowattstunden (kWh) ist der Festpreisvertrag in der Regel alternativlos, da der administrative Aufwand einer Tranchenbeschaffung in keinem Verhältnis zu den potenziellen Einsparungen steht. Ab einem jährlichen Verbrauch von etwa 500.000 kWh Strom oder einer Million kWh Gas wird die strukturierte Beschaffung jedoch zunehmend interessant. In diesem Segment bieten viele Energiepartner bereits standardisierte Tranchenmodelle an, bei denen der Kunde beispielsweise monatlich oder quartalsweise Tranchen fixieren kann. Für echte Industriekunden mit Verbräuchen im Megawattstunden-Bereich ist die strukturierte Beschaffung mittlerweile der Standard, da hier bereits minimale Preisabweichungen an der Börse über existenzielle Summen im Einkauf entscheiden können.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine pauschale Antwort auf die Frage gibt, welches Beschaffungsmodell das bessere ist. Die Entscheidung muss immer individuell auf Basis des Verbrauchs, der Risikobereitschaft und der internen Ressourcen des Unternehmens getroffen werden. Wer absolute Planungssicherheit benötigt und keine Zeit mit der täglichen Analyse von Energiemärkten verbringen möchte, fährt mit einem Festpreisvertrag weiterhin gut, sofern dieser in einer Phase moderater Marktpreise abgeschlossen wird. Wer hingegen signifikante Energiemengen verbraucht, Marktchancen nutzen möchte und über das nötige Know-how oder einen verlässlichen Partner verfügt, sollte intensiv über den Wechsel in ein Tranchenmodell nachdenken. Schönberg Energy unterstützt Gewerbekunden aktiv dabei, die Verbrauchsdaten zu analysieren, ein passendes Risikoprofil zu erstellen und die optimale Beschaffungsstrategie für Strom und Gas erfolgreich am Markt umzusetzen.