Viele Energieanbieter locken mit praktischen Kombi-Paketen für Strom und Gas. Doch spart man mit einem gemeinsamen Vertrag wirklich Geld, oder zahlt man am Ende drauf? Wir decken die Vor- und Nachteile von Kombi-Tarifen auf und zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen.
Auf den ersten Blick klingt das Angebot der Energieversorger äußerst verlockend: Ein einziger Vertrag, ein einziger Ansprechpartner und nur ein monatlicher Abschlag für die gesamte Energieversorgung des Haushalts. Sogenannte Kombi-Tarife, bei denen Strom und Gas im Paket gebucht werden, erfreuen sich bei vielen Verbrauchern großer Beliebtheit. Die Anbieter werben gezielt mit dem Argument der Zeitersparnis und der Übersichtlichkeit. Tatsächlich ist der bürokratische Aufwand für private Haushalte geringer, wenn alle Anliegen rund um die Energieversorgung über ein einziges Kundenportal abgewickelt werden können. Wer umzieht oder seine Zählerstände übermitteln muss, hat nur eine Schnittstelle zu bedienen. Doch hinter dieser glänzenden Fassade der Bequemlichkeit verbergen sich oft wirtschaftliche Nachteile, die den vermeintlichen Komfort teuer erkaufen. Um zu verstehen, ob sich ein solches Paket für Sie persönlich lohnt, müssen wir die Preisstrukturen dieser Tarife im Detail analysieren und mit den Angeboten des freien Marktes vergleichen.
Der wichtigste Faktor bei der Entscheidung für oder gegen einen Kombivertrag ist zweifellos der Preis. Die Marketingabteilungen der Energiekonzerne werben häufig mit exklusiven Rabatten, wie einem einmaligen Kombi-Bonus oder reduzierten Grundgebühren, wenn beide Verträge beim selben Anbieter abgeschlossen werden. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Spezialisierte Stromanbieter und fokussierte Gasanbieter können ihre jeweiligen Kernprodukte oft zu deutlich besseren Konditionen anbieten als ein Universalanbieter im Kombi-Paket. Wer Strom und Gas getrennt voneinander abschließt, nutzt den Wettbewerb auf beiden Märkten optimal aus. Die Erfahrung zeigt, dass die Ersparnis durch zwei separate, jeweils extrem günstige Verträge die angebotenen Kombi-Rabatte in den allermeisten Fällen bei weitem übersteigt. Ein vermeintlicher Kombi-Vorteil von beispielsweise 50 Euro im Jahr verpufft schnell, wenn die Arbeitspreise für das Gas oder den Strom nur wenige Cent über dem Marktoptimum liegen. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch summiert sich dieser feine Unterschied rasch zu dreistelligen Mehrkosten.
Verbraucher sollten bei Kombi-Verträgen besonders aufmerksam das Kleingedruckte lesen. Eine der häufigsten Fallen sind die sogenannten Neukundenboni. Diese werden oft nur im ersten Vertragsjahr gewährt und täuschen über die tatsächlichen langfristigen Kosten hinweg. Ab dem zweiten Jahr steigen die Preise oft drastisch an, und die Ersparnis ist dahin. Zudem sind die Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen bei Kombi-Angeboten manchmal so gestaltet, dass die Verträge für Strom und Gas aneinander gekoppelt sind. Möchte man dann beispielsweise nur den Gasanbieter wechseln, weil dessen Preise stark gestiegen sind, ist dies rechtlich oft kompliziert oder erst nach Ablauf der Gesamtvertragslaufzeit möglich. Achten Sie daher penibel darauf, ob es sich rechtlich um zwei getrennte Verträge mit separaten Kündigungsrechten handelt oder um einen echten, untrennbaren Koppelvertrag. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Preisgarantien: Oft gilt die Preisgarantie nicht für beide Energiearten im gleichen Maße oder deckt nicht alle Preisbestandteile wie staatliche Umlagen und Netzentgelte ab.
Um herauszufinden, ob ein Kombi-Angebot tatsächlich ein Schnäppchen ist, sollten Sie systematisch vorgehen. Verlassen Sie sich niemals blind auf die Beispielrechnungen des Anbieters. Nehmen Sie stattdessen Ihre letzten Jahresabrechnungen zur Hand und notieren Sie Ihren genauen Jahresverbrauch in Kilowattstunden (kWh) für Strom und für Gas. Nutzen Sie anschließend unabhängige Vergleichsportale im Internet. Führen Sie dort zwei getrennte Abfragen durch: Eine für Ihren Stromverbrauch und eine für Ihren Gasverbrauch. Notieren Sie sich jeweils die Gesamtkosten der günstigsten, verbraucherfreundlichen Tarife ohne Berücksichtigung von einmaligen Sofortboni, um die reinen Arbeitspreise und Grundgebühren zu vergleichen. Rechnen Sie diese beiden Beträge zusammen. Erst wenn Sie diese Summe ermittelt haben, vergleichen Sie das Ergebnis mit den Gesamtkosten des angebotenen Kombi-Tarifs. Nur wenn das Kombi-Paket unter der Summe der beiden Einzeltarife liegt, ist es wirtschaftlich sinnvoll. In der Praxis ist dies jedoch nur äußerst selten der Fall.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kombi-Angebote für Strom und Gas primär ein Produkt für Verbraucher sind, die den minimalen Verwaltungsaufwand über den maximalen finanziellen Ertrag stellen. Wenn Sie absolut keine Lust und Zeit haben, sich einmal im Jahr mit Ihren Energieverträgen auseinanderzusetzen, und bereit sind, für diese Bequemlichkeit eine jährliche Prämie in Form von höheren Gebühren zu zahlen, kann ein Kombi-Tarif eine Option sein. Für alle preisbewussten Haushalte, die das Optimum aus ihrem Budget herausholen wollen, sind getrennte Verträge jedoch die weitaus bessere Wahl. Durch den gezielten, separaten Wechsel von Strom- und Gasanbietern lässt sich die Haushaltskasse spürbar entlasten. Schönberg Energy empfiehlt daher, die Verträge stets flexibel und unabhängig voneinander zu halten, um jederzeit auf Marktveränderungen und Preissenkungen der spezialisierten Anbieter reagieren zu können. Ein regelmäßiger Blick auf die eigenen Tarife bleibt der effektivste Hebel gegen zu hohe Energiekosten.