Netzanschlussevaluierung im Gewerbe: Wie Unternehmen durch eine präzise Überprüfung der bestellten Netzkapazität dauerhaft hohe Grundpreise einsparen
  • 02.07.2026

Netzanschlussevaluierung im Gewerbe: Wie Unternehmen durch eine präzise Überprüfung der bestellten Netzkapazität dauerhaft hohe Grundpreise einsparen

Viele Gewerbebetriebe zahlen jahrelang zu hohe Netzentgelte für ungenutzte Leistungskapazitäten. Eine präzise Netzanschlussevaluierung deckt diese versteckten Kosten auf und senkt die laufenden Betriebskosten dauerhaft.

Die versteckte Kostenfalle beim Netzanschluss

In vielen mittelständischen und industriellen Betrieben schlummern erhebliche Einsparpotenziale in einem Bereich, der selten hinterfragt wird: den Netzentgelten. Bei der Errichtung oder Erweiterung eines Gewerbestandorts wird die benötigte Netzkapazität oft großzügig dimensioniert, um für alle Eventualitäten und künftiges Wachstum gerüstet zu sein. Diese einmal bestellte Leistung (auch Bereitstellungsleistung genannt) bleibt jedoch häufig über Jahre hinweg ungenutzt. Da die Netzbetreiber die Netzentgelte unter anderem auf Basis dieser bestellten Leistung kalkulieren, zahlen Unternehmen Monat für Monat hohe Grund- und Leistungspreise für Kapazitäten, die sie de facto niemals abrufen.

Wie funktioniert die Netzanschlussevaluierung?

Eine fundierte Netzanschlussevaluierung basiert auf der systematischen Analyse des historischen Lastgangs. Hierbei werden die im Rahmen der registrierenden Leistungsmessung (RLM) erfassten 15-Minuten-Werte über ein komplettes Kalenderjahr hinweg ausgewertet. Diese Analyse zeigt präzise, zu welchen Zeiten die absolute Jahreshöchstleistung aufgetreten ist und wie hoch diese tatsächlich war. Liegt diese gemessene Spitzenleistung dauerhaft und signifikant unter der vertraglich vereinbarten und bezahlten Netzkapazität, besteht unmittelbares Optimierungspotenzial. Durch eine gezielte Anpassung der Leistungsgrenze beim Netzbetreiber lassen sich die laufenden Betriebskosten oft im vier- bis fünfstelligen Bereich pro Jahr reduzieren.

Lastmanagement und rechtliche Rahmenbedingungen

Bevor eine Reduzierung der Netzkapazität beantragt wird, empfiehlt sich zudem die Prüfung eines intelligenten Lastmanagements. Durch das gezielte Verschieben von verbrauchsstarken Prozessen oder den Einsatz von Energiespeichern können kurze, seltene Lastspitzen gekappt werden (Peak Shaving). Dies ermöglicht eine noch stärkere Reduktion der bestellten Leistung. Zu beachten ist jedoch, dass eine nachträgliche Erhöhung der Leistung beim Netzbetreiber unter Umständen mit erneuten Baukostenzuschüssen (BKZ) verbunden sein kann. Daher erfordert die Evaluierung eine vorausschauende Planung, die auch zukünftige Elektrifizierungsschritte, wie den Aufbau von E-Ladeinfrastruktur oder den Betrieb von Wärmepumpen, berücksichtigt.