Viele Energieanbieter locken mit hohen Neukundenboni. Doch oft entpuppen sich die vermeintlichen Schnäppchen im zweiten Jahr als teure Kostenfallen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Tarife richtig vergleichen und echte Ersparnisse erzielen.
Der deutsche Energiemarkt ist hart umkämpft, und die Anbieter buhlen mit immer aggressiveren Werbemaßnahmen um die Gunst der Verbraucher. Besonders beliebt sind dabei sogenannte Neukunden- und Sofortboni. Auf den ersten Blick wirken diese Angebote äußerst attraktiv: Hunderte von Euro Ersparnis werden den Kunden versprochen, wenn sie sich für einen Wechsel des Strom- oder Gasanbieters entscheiden. In den gängigen Vergleichsportalen werden diese Tarife meist ganz oben gelistet, da die Boni direkt in die Berechnung der Gesamtkosten für das erste Jahr einfließen. Doch genau hier liegt die Gefahr für den unbedarften Verbraucher. Viele dieser Angebote sind so kalkuliert, dass der Anbieter im ersten Jahr durch die Auszahlung des Bonus kaum Gewinn macht oder sogar draufzahlt. Das primäre Ziel ist es, Kunden langfristig zu binden und die anfänglichen Verluste im zweiten und den darauffolgenden Vertragsjahren durch deutlich erhöhte Arbeitspreise und Grundgebühren wieder wettzumachen.
Um die Mechanismen hinter den Bonus-Tarifen zu verstehen, muss man die verschiedenen Arten von Vergünstigungen genauer betrachten. Der Sofortbonus wird in der Regel bereits wenige Wochen nach dem erfolgreichen Lieferbeginn auf das Konto des Kunden überwiesen oder mit den ersten Abschlagszahlungen verrechnet. Der klassische Neukundenbonus hingegen wird meist erst am Ende des ersten Belieferungsjahres fällig und direkt mit der ersten Jahresrechnung verrechnet. Die Krux an der Sache ist die vertragliche Bindung. Viele Tarife haben eine Mindestvertragslaufzeit von 12 Monaten. Vergisst der Kunde nun, rechtzeitig vor Ablauf der Kündigungsfrist – die meist ein bis drei Monate vor Jahresende liegt – den Vertrag wieder zu kündigen, verlängert sich dieser automatisch. Im zweiten Jahr entfallen sämtliche Boni komplett, während gleichzeitig oft die Preise pro Kilowattstunde angehoben werden. So wird aus dem vermeintlichen Sparschlager im Handumdrehen ein überteuerter Energieliefervertrag.
Ein genauer Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Anbieter ist unerlässlich, um böse Überraschungen zu vermeiden. Oftmals knüpfen die Versorger die Auszahlung des Bonus an Bedingungen, die für den Laien nicht sofort ersichtlich sind. So ist der Erhalt des Neukundenbonus fast immer an eine ununterbrochene Belieferung von mindestens 12 Monaten geknüpft. Kündigt der Kunde also vorzeitig oder kommt es aufgrund von Zahlungsverzug zu einer Unterbrechung, kann der Anspruch auf den Bonus komplett erlöschen. Auch ein Umzug während des ersten Jahres kann unter Umständen dazu führen, dass der Bonus hinfällig wird, wenn der Anbieter am neuen Wohnort nicht beliefern kann oder die AGB entsprechende Ausschlussklauseln enthalten. Zudem definieren Anbieter den Begriff 'Neukunde' sehr streng: Wer in den letzten sechs bis vierundzwanzig Monaten bereits Kunde bei derselben Unternehmensgruppe war, geht leer aus.
Um beim Vergleich von Strom- und Gastarifen nicht auf die Bonus-Falle hereinzufallen, sollten Verbraucher die Filteroptionen in den bekannten Vergleichsportalen gezielt nutzen. Eine der wichtigsten Einstellungen ist das Deaktivieren der Option 'Boni einrechnen'. Auf diese Weise werden die Tarife ausschließlich anhand ihrer tatsächlichen verbrauchsabhängigen Kosten und der Grundgebühr sortiert. Erst dadurch wird ersichtlich, welcher Anbieter auch ohne künstliche Rabatte dauerhaft faire und günstige Konditionen anbietet. Wer dennoch von einem Wechselbonus profitieren möchte, muss den Kalender fest im Blick behalten. Es empfiehlt sich, direkt nach der erfolgreichen Bestätigung des neuen Vertrags eine Erinnerung für die Kündigung einzurichten. Nur wer konsequent jedes Jahr den Anbieter wechselt, kann das System der Neukundenboni dauerhaft zu seinem eigenen finanziellen Vorteil nutzen. Für die meisten Menschen ist dieser jährliche Aufwand jedoch zu mühsam.
Für Verbraucher, die sich nicht jedes Jahr aufs Neue mit dem Wechsel ihres Energieversorgers beschäftigen möchten, sind Tarife ohne Bonuszahlungen die deutlich bessere Wahl. Diese Tarife zeichnen sich durch Transparenz und Stabilität aus. Da keine hohen Einmalzahlungen querfinanziert werden müssen, sind die Arbeitspreise pro Kilowattstunde und die monatlichen Grundpreise von vornherein realistischer und oft auch im zweiten Jahr stabil. Zudem bieten solche Verträge häufig kürzere Laufzeiten oder sogar monatliche Kündigungsfristen, was den Kunden ein hohes Maß an Flexibilität sichert. Ein seriöser und regionaler Energieversorger setzt auf langfristige Kundenzufriedenheit statt auf kurzfristige Lockangebote. Wer auf Nachhaltigkeit und Planungssicherheit Wert legt, fährt mit einem ehrlichen, bonusfreien Tarif auf lange Sicht meist stressfreier und oft sogar günstiger, da böse Überraschungen bei der Jahresabrechnung systematisch ausgeschlossen werden.