Ab Januar 2026 steigt der nationale CO2-Preis auf fossile Brennstoffe spürbar an. Wir erklären Ihnen die genauen Hintergründe dieses Preissprungs, wie stark Ihre Heizkosten für Gas und Öl steigen werden und mit welchen staatlichen Änderungen ab 2027 zu rechnen ist.
Der nationale Emissionshandel in Deutschland basiert auf dem Brennstoffemissionshandelsgesetz, kurz BEHG. Dieses Gesetz wurde im Jahr 2021 eingeführt, um den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen im Wärme- und Verkehrssektor schrittweise zu verteuern und damit einen ökonomischen Anreiz für den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen zu schaffen. Nach einer Phase mit relativ moderaten Festpreisen steht für den Januar 2026 nun der nächste geplante Erhöhungsschritt bevor. Der Preis für ein Zertifikat, das dem Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid entspricht, klettert von derzeit 45 Euro auf einen festgelegten Korridor von bis zu 55 beziehungsweise 65 Euro pro Tonne. Dieser geplante Preissprung ist ein zentrales Instrument der Bundesregierung, um die nationalen Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen. Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass die Kosten für fossile Brennstoffe dadurch kontinuierlich und berechenbar steigen, was die Attraktivität von fossilen Heizsystemen im Vergleich zu erneuerbaren Energien weiter mindern soll.
Für die privaten Haushalte in Deutschland schlägt sich die Erhöhung des CO2-Preises direkt in den monatlichen Heizkosten nieder. Wer mit Erdgas heizt, muss ab Januar 2026 mit spürbaren Mehrkosten rechnen. Bei einer Tonne CO2-Preis von beispielsweise 60 Euro erhöht sich der Gaspreis rein rechnerisch um etwa 0,12 bis 0,15 Cent pro Kilowattstunde im Vergleich zum Vorjahr, zuzüglich der anfallenden Mehrwertsteuer. Bei einem typischen Einfamilienhaus mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet dies eine jährliche Mehrbelastung von rund 30 bis 50 Euro allein durch den CO2-Aufschlag im Jahr 2026. Noch deutlicher fällt der Sprung für Haushalte aus, die mit einer Ölheizung ausgestattet sind. Da Heizöl pro erzeugter Energieeinheit deutlich mehr Kohlendioxid freisetzt als Erdgas, steigt der Literpreis für leichtes Heizöl um mehrere Cent an. Bei einem Jahresbedarf von 2.000 Litern Heizöl müssen betroffene Haushalte mit zusätzlichen Kosten von über 100 Euro im Jahr rechnen, was die Haushaltskasse spürbar belasten kann.
Für Mieterinnen und Mieter gibt es jedoch einen wichtigen gesetzlichen Dämpfer bei den Heizkosten. Seit Anfang 2023 regelt das Kohlendioxidkosten-Aufteilungsgesetz, dass Vermieter die CO2-Abgabe nicht mehr uneingeschränkt und vollständig auf die Mieter umlegen dürfen. Stattdessen wird ein faires Stufenmodell angewendet, das sich am energetischen Zustand des jeweiligen Wohngebäudes orientiert. Befindet sich das Gebäude in einem energetisch sehr schlechten Zustand mit einem hohen CO2-Ausstoß pro Quadratmeter, müssen Vermieter bis zu 95 Prozent der CO2-Abgabe selbst tragen. Bei einem sehr gut sanierten, hocheffizienten Gebäude hingegen trägt der Mieter die Kosten fast vollständig allein, da er hier durch sein individuelles Heizverhalten den größten Einfluss auf den Verbrauch hat. Dieses Stufenmodell soll für Vermieter einen starken finanziellen Anreiz schaffen, in moderne Heizsysteme und eine bessere Gebäudedämmung zu investieren, während Mieter in schlecht gedämmten Altbauten vor übermäßigen finanziellen Belastungen geschützt werden.
Das Jahr 2026 markiert das vorerst letzte Jahr, in dem die Bundesregierung den CO2-Preis über einen gesetzlichen Festpreisrahmen direkt kontrollieren kann. Ab dem 1. Januar 2027 wird das deutsche System in den neuen europaweiten Emissionshandel für Gebäude, Straßenverkehr und zusätzliche Sektoren überführt. In diesem marktgesteuerten System gibt es keine staatlich festgelegten Preise mehr. Stattdessen wird die Gesamtmenge der zulässigen Emissionsrechte EU-weit von Jahr zu Jahr verknappt und die Zertifikate werden an Börsen frei gehandelt. Experten prognostizieren, dass der CO2-Preis ab 2027 durch die freie Marktdynamik und die strenge Limitierung der Zertifikate sprunghaft ansteigen könnte, sofern keine dämpfenden Mechanismen der Politik greifen. Preise von 100 Euro oder mehr pro Tonne CO2 sind in den Folgejahren durchaus im Bereich des Möglichen, was fossiles Heizen in Zukunft zu einem unkalkulierbaren Luxusgut machen könnte und den dringenden Handlungsbedarf verdeutlicht.
Um der Preisspirale beim CO2-Preis effektiv zu entgehen, sollten Verbraucher frühzeitig und strategisch handeln. Die wirksamste und nachhaltigste Methode ist der vollständige Abschied von fossilen Brennstoffen durch den Einbau einer modernen Wärmepumpe oder den Anschluss an ein klimafreundliches Fernwärmenetz. Da diese Technologien keine oder nur sehr geringe CO2-Emissionen verursachen, entfällt die Abgabe für die Betreiber fast vollständig. Für wen ein Heizungstausch kurzfristig nicht infrage kommt, der kann durch gezielte Optimierungsmaßnahmen im Alltag dennoch Energie einsparen. Schon das Absenken der Raumtemperatur um nur ein Grad Celsius senkt den Energieverbrauch und damit die CO2-Kosten um rund sechs Prozent. Auch das Entlüften der Heizkörper, die Durchführung eines hydraulischen Abgleichs durch einen Fachbetrieb sowie die Dämmung freiliegender Heizungsrohre im Keller reduzieren den Verbrauch spürbar. Zudem lohnt sich ein regelmäßiger Vergleich der Gastarife, um zumindest bei den reinen Energiekosten den günstigsten Anbieter am Markt zu nutzen.