Ab Ende 2025 dürfen Gasnetzbetreiber ihre Infrastruktur schneller abschreiben. Was gut für die Betreiber ist, droht für die verbleibenden Gaskunden zur massiven Kostenfalle zu werden.
Deutschland hat sich das gesetzliche Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2045 vollständig klimaneutral zu werden. Dies hat fundamentale Auswirkungen auf unsere Energieversorgung und insbesondere auf das weitverzweigte Gasnetz, das über Jahrzehnte hinweg die verlässliche Basis für die Wärmeversorgung von Millionen von Haushalten und Industriebetrieben bildete. Mit dem beschlossenen Abschied von fossilem Erdgas steht fest, dass diese Netze in ihrer heutigen Form langfristig nicht mehr benötigt werden. Um den Netzbetreibern Investitionssicherheit zu geben und einen geordneten Rückbau zu ermöglichen, hat die Bundesnetzagentur neue Abschreibe-Regelungen beschlossen, die ab Ende 2025 greifen. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass Betreiber auf uneinbringbaren Kosten sitzen bleiben, wenn die Netze stillgelegt werden. Doch diese rein regulatorische Anpassung hat eine gravierende Kehrseite für die Endverbraucher, die weiterhin auf Gas angewiesen sind.
Normalerweise werden die extrem langlebigen Gasleitungen und technischen Anlagen über Zeiträume von bis zu 45 oder 50 Jahren abgeschrieben. Da Deutschland jedoch bis 2045 klimaneutral sein muss, schrumpft das wirtschaftliche Zeitfenster für den Betrieb dieser Netze drastisch zusammen. Die Bundesnetzagentur ermöglicht es den Netzbetreibern daher, die Abschreibungszeiträume deutlich zu verkürzen. Das bedeutet konkret, dass die noch nicht vollständig abgeschriebenen Restwerte der Netze in viel kürzerer Zeit über die Netzentgelte refinanziert werden müssen. Die jährlichen Abschreibungsraten steigen dadurch massiv an. Da diese Kosten direkt über die Netzentgelte an die Letztverbraucher weitergegeben werden dürfen, führt diese regulatorische Anpassung ab Ende 2025 zu einem unmittelbaren und spürbaren Aufwärtsdruck bei den Gaspreisen für private Haushalte und Gewerbebetriebe.
Das eigentliche Problem dieser beschleunigten Abschreibung liegt in einem mathematischen und sozialen Verteilungskonflikt. Durch das Gebäudeenergiegesetz und den Trend zu Wärmepumpen sowie den Ausbau von Fernwärmenetzen entscheiden sich immer mehr Hausbesitzer gegen eine Gasheizung. Die Anzahl der aktiven Gasanschlüsse sinkt bereits und dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren massiv beschleunigen. Wenn nun die Gesamtkosten für den Betrieb und die beschleunigte Abschreibung der Netze steigen, gleichzeitig aber die Menge des transportierten Gases und die Anzahl der Netzkunden drastisch sinken, verteilt sich eine immer größere finanzielle Last auf immer weniger verbleibende Schultern. Dies erzeugt einen gefährlichen Teufelskreis: Je teurer das Gas durch steigende Netzentgelte wird, desto schneller wechseln Kunden zu Alternativen, was die Kosten für die verbleibenden Verbraucher noch weiter in die Höhe treibt.
Branchenexperten und Wirtschaftswissenschaftler warnen bereits vor extremen Preissteigerungen bei den Netzentgelten, die heute schon einen erheblichen Teil des gesamten Gaspreises ausmachen. Modellrechnungen zeigen, dass sich die Netzentgelte in manchen Regionen bis in die 2030er Jahre hinein verdoppeln oder im Extremfall sogar verdreifachen könnten. Für einen durchschnittlichen Haushalt in einem Einfamilienhaus könnte dies zusätzliche Kosten von mehrerenhundert Euro pro Jahr allein für die Netznutzung bedeuten, völlig unabhängig vom tatsächlichen Beschaffungspreis des Erdgases. Besonders hart trifft diese Entwicklung Mieterinnen und Mieter, die keinen direkten Einfluss auf die Heizungsart des Gebäudes haben, sowie einkommensschwache Haushalte, die sich den teuren Umstieg auf eine Wärmepumpe kurzfristig nicht leisten können und somit in der fossilen Gasfalle festsitzen.
Angesichts dieser absehbaren Entwicklung sollten Verbraucher nicht abwarten, bis die Erhöhungen der Netzentgelte ab Ende 2025 voll durchschlagen. Es ist dringend ratsam, bereits jetzt die langfristige Wärmeplanung für das eigene Gebäude ins Auge zu fassen. Wer noch eine funktionierende Gasheizung besitzt, sollte die verbleibende Zeit nutzen, um den Umstieg auf erneuerbare Energien wie eine Wärmepumpe oder den Anschluss an ein Nah- oder Fernwärmenetz vorzubereiten. Staatliche Förderungen über die KfW bieten derzeit noch attraktive Zuschüsse von bis zu 70 Prozent der Investitionskosten für den Heizungswechsel. Für Verbraucher, die kurzfristig nicht wechseln können, gilt es, den Gasverbrauch durch energetische Sanierungsmaßnahmen oder optimiertes Heizverhalten so weit wie möglich zu senken, um die kommenden Preiserhöhungen beim Netzentgelt zumindest teilweise abzufedern.